Beginnen tut die Reise mit dem Einrichten des Arbeitsplatzes und dem Vorbereiten der Werkzeuge Zugmesser, Zughobel, Schaber, Schleifpapier, Feile, Raspel und einem Bleistift. Danach geht es an die Auswahl des Holzes, ….. , im Bogenbauer Fachjargon genannt. Schon jetzt ganz am Anfang, beginnt das Handwerk des Bogenbauers mit dem inneren Gefühl. Mit einer Balance zwischen Intuition und bewusster Überlegung solle man sich sein Holz aussuchen, habe ich von Hans meinem Bogenbaulehrer gelernt.
Das Aussuchen ging diesmal recht schnell. Einer der …. sprang mir ins Auge. Da ich es mir bei diesem Bogen etwas leichter machen wollte überprüfte ich kurz ob er nicht zu viele Äste und Windungen aufwies, da das, das Bauen um einiges erschweren kann und noch genauere Arbeit erfordert. Motiviert klemmte ich das Holz in den Schraubstock und begann mit dem Zugmesser die Rinde ab zu schnitzen bis ich auf den ersten Jahresring stieß.
Die Fläche des Bogenbauches sollte idealerweise über einen Jahresring verlaufen. Um sicher zu gehen, dass mein Bogenbauch keine Schäden aufwies, die unter Anderem durch das Fällen verursacht werden können, schnitze ich noch 3 Jahresringe tiefer. Zug für Zug arbeite ich mich mit dem Zugmesser entlang des Holzes, über die gesamte Fläche durch den Bast. Als die Rindenspäne über das Messer gleiten, von der Klinge abspringen und zu Boden fallen, nehme ich mir einen Moment Zeit um einen Blick auf die Späne zu werfen. Die Rinde ist rau, die Jahresringe feinfasrig abwechselnd dunkel und hart, dann hell und etwas weicher. In diesem Moment wird mir bewusst, dass ich mich gerade durch mehrere Jahre dieser Robinie bzw. falschen Akazie schnitze. Ich frage mich wie alt dieser Baum überhaupt war, was er erlebt hat und versuche mir vorzustellen was seine Rinde schon alles gesehen hat...
Können Bäume eigentlich sehen? Wie viel Geschichte in jedem dieser Ringe stecken muss...? Wie viele Kinder haben diesen Baum erklommen? Wie viele und welche Vögel haben ihre Nester in ihm gebaut und ihre Jungen großgezogen? Wenn man sich mit dem Baum oder dem Stück Holz nur einfach verbinden könnte und sich, wie in dem Film „Enter the Matrix“, die gesamte Geschichte die in dem Holz steckt, herunter laden könnte. Witzig empfand ich, dass ich gerade über die Geschichte des Baumes nachdachte und dabei einen steinzeitlichen Bogen baute. Eine Technologie die schon tausende Jahre existiert und bis heute Menschen wie mich begeistert.
So schnitze ich mit dem Ziel, aus einem langen groben Stück Holz einen präzise schießenden Pfeil und Bogen zu bauen, weiter. Das Bogenbauen ist für mich eine Kunst die viel altes Wissen in sich trägt und diese vermitteln kann, dafür aber Gespür für das Verhalten und Einfühlvermögen für das Holz abverlangt. Dabei geht es kaum um Zahlen sowie Maßstäbe oder Verhältnisse, man muss auch nur selten messen. Man tastet sich langsam an die gewünschte Form und Kraft des Bogens heran. Nach 3 Tagen schnitzen, hobeln, tillern und schleifen ist es soweit. Endlich kann ich die Sehne knüpfen, den Griff gestalten, 3 Pfeile bauen und das Holz einölen, jetzt steht dem Jungfernschuss nichts mehr im Wege. Nach einer dreitägigen „Reise“ durch das Ausüben eines uralten Handwerks und Kopfkino über die Geschichte des Baumes und des Bogenbauens, habe ich mit meinen eigenen Händen und einfachem Werkzeug, Pfeil und Bogen erschaffen und dabei viel mehr gelernt als „nur“ Bogenbauen.
Einen großen Dank an die Bäume deren Holz für uns, für so viele Dinge, ein so perfekter Werkstoff ist und fast bedingungslos weiter wächst.
Einen großen Dank an meinen Lehrer Johann Müllegger der seine Jahrzehnte lange Erfahrung weiter gibt,
und einen großen Dank an die Robinie deren Holz mächtig abgeht! :-)
Walter
Einen großen Dank an meinen Lehrer Johann Müllegger der seine Jahrzehnte lange Erfahrung weiter gibt,
und einen großen Dank an die Robinie deren Holz mächtig abgeht! :-)
Walter

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