Spuren im Laub

Die kalte Jahreszeit bringt mit sich, dass viele zu bequem sind, raus zu gehen, und sich's lieber vor dem Fernseher gemütlich machen. Aber es gibt einige Kinder und Jugendliche, die die Abenteuerlust gepackt hat - und die egal bei welchem Wetter mit uns neugierig auf draussen waren. In letzter Zeit waren wir also einige Male gemeinsam im Wald.
Schon beim Aussteigen aus dem Bus ist der Unterschied zu anderen Programmen in geschlossenen Räumen oder mit vorgegebenen Themen spürbar. Alle sind etwas aufgeregt, was sie diesmal erwartet. Diejenigen, die schon öfter dabei waren, kennen schon ein paar Wege, und wissen zu einigen Orten schon Geschichten vom letzten Mal zu erzählen. Das Bewegen im Wald abseits der Wege ist für viele
neu, und führt von ganz alleine sofort zu spontanen Spielsituationen. Und genau so wie die Stimmung der Teilnehmer immer anders ist, entstehen auch immer andere Spiele. Der Freiraum führt ganz automatisch zu mehr Bewegung, die viel unbewusster als in der Sporthalle oder am Fussballplatz einfach nebenher und ständig passiert. Und das in einer Umgebung, an die wir von Natur aus ursprünglich perfekt angepasst sind!

Einige kennen sich im Waldgebiet schon aus, können sich orientieren, nehmen Veränderungen im Vergleich zum letzten Ausflug wahr - und bemerken auch Spuren. Von den von uns verscheuchten vierbeinigen Waldbewohnern, anderen Menschen, aber auch unsere eigenen Spuren von vor ein paar Wochen. Die gemeinsam gebaute Laubhütte dient wieder als Basis, und wir finden neben Fehlstellen des als Baumaterial verwendeten Laubteppichs auch ein paar Schnipsel Jausenpapier vom letzten Ausflug. Der Wald bietet viel Freiraum und Möglichkeiten ohne Grenzen. Aber er macht Spuren und die eigenen Auswirkungen erlebbar. Das Bellen eines Hundes mit Spaziergänger ist schon von weitem hörbar. Oder war es doch ein Reh? Und warum zwitschern die Vögel auf einmal anders? 

In einer sonst von Aufmerksamkeitsmagneten wie Handy, YouTube, Werbung etc. dominierten Umwelt ist interessant zu beobachten, wie sich das Verhalten der Jugendlichen in der kurzen Zeit, die wir gemeinsam im Wald sind, ändert. Nur dadurch, dass sich die Aufmerksamkeit verschiebt. Was passiert alles rundherum, wenn man sich mitten im Wald die Augen verbindet, und versucht, seinen Weg durch Büsche und zwischen Bäumen hindurch entlang einer dünnen Schnur zu finden? Wie gut können die anderen wahrgenommen werden, obwohl niemand einen Laut von sich gibt? Wie gut kann man sich selbst vor anderen verstecken, und wie sieht die Umgebung überhaupt aus, in der ich mich verstecken will? 

Oft ist es nicht viel merkbare und schon gar keine messbare Veränderung, lärmende Kinder bleiben lärmende Kinder, und das Ziel ist auch nicht, NachwuchsförsterInnen auszubilden. Aber der bloße Aufenthalt im Wald und die gemeinsam erlebten kleinen Abenteuer lassen uns ein bisschen anders miteinander umgehen und unsere "normale" Lebensumgebung aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Umweltbewusstsein, ausprobieren und erweitern der eigenen Fähigkeiten und der Umgang miteinander sind Lebensbereiche, die sich nur "live" erfahren lassen, und zwar vor allem in einer Umgebung, die an der Grenze oder vielleicht ein bisschen außerhalb der Komfortzone liegt.

Warum wir mit Kindern und Jugendlichen Waldausflüge machen?
Weil's Spaß macht! Und weil wir alle dabei was lernen!

...und wann bist DU zuletzt auf einen Baum gekraxelt??

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